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Auffälliges Kindergartenkind

Foren > Pädagogik / Unterricht > Klassenmanagement > Auffälliges Kindergartenkind
Autorin/Autor Beiträge
Verfasst am: 21. 11. 2018 [14:44]
 
Themenersteller/-in
Beiträge: 4
Seit dem Sommer unterrichte ich an einer äusserst lebhaften und tolle Kindergartenklasse. Nun bin ich in einer Situation, in der ich nicht weiss, welcher Lösungsweg am sinnvollsten ist.

In meiner Klasse gibt es einen Jungen (2.KG). Ich schätze ihn sehr als Mitglied dieser Klasse und finde seine kindliche Begeisterung, seine Empathie und seinen Witz sehr toll. Er scheint auch sehr intelligent zu sein. Es ist jedoch auch so, dass der Junge sehr unruhig + leicht ablenkbar ist. Zudem verfügt er über eine äusserst geringe Frustrationstoleranz.
In Kreissequenzen ist es häufig so, dass er mit seinem Verhalten (unruhig auf Stuhl sitzen, Geräusche machen, dazwischenrufen, frustriert weinen aufgrund von Nichtaufrufen, sich nicht auf Gesagtes fokussieren können...) den Unterricht derart stört, dass sich die Klasse nicht konzentrieren kann. Auch während des Freispiels ist es für ihn herausfordernd, an einem Platz zu verweilen. Regelmässig wechselt er nach kurzer Zeit den Platz, selbst bei Plätzen, die ihm gut gefallen. Ausserdem gerät er immer wieder in Konflikte und gegen Ende der Woche nimmt seine geringe Frustrationstoleranz weiter ab, da er müde zu sein scheint. In solchen Momenten neigt der Junge wegen Kleinigkeiten zu heftigen Weinanfällen.

Der Knabe nimmt in meinem Unterricht so viel Platz ein, dass ich den anderen Kindern zum Teil nicht gerecht werden kann.
Ich habe unter anderem folgende Massnahmen bereits ausprobiert:
- Therapieknete im Kreis
- Ein individuelles Belohnungssystem im Kreis, bei dem er Kleber sammeln konnte
- freiwillige Nutzung des (Auszeit-)Zeltes

Die Fachlehrpersonen, die ebenfalls an der Klasse unterrichten, sind der Meinung, dass er durch die Heilpädagogin unterstützt werden müsste (Förderstufe A). Nun ist es jedoch so, dass im Kanton Solothurn die Eltern ihr Einverständnis für diese Förderstufe geben müssen. Somit haben sie eine Wahl, ob sie es wollen oder nicht. Wir haben deshalb das Gespräch mit den Eltern gesucht und ich hatte den Eindruck, dass wir sehr wohlwollend und wertschätzend aufzeigen konnten, dass wir den Jungen für den Schulstart im Sommer stärken möchten. Die Eltern dieses Jungen verweigern sich und lehnen dieses Angebot trotz Unterrichtsbesuch vehement ab, da sie den Jungen nicht "abstempeln" möchten.

Dem Schulleiter ist der Junge während eines Unterrichtsbesuchs ebenfalls aufgefallen und er hat gemeint, dass ich die Eltern zu einem Beratungsgespräch beim schulpsychologischen Dienst überzeugen soll - ich brauche jedoch auch dort ihr Einverständnis. Falls sie sich weiter weigern, könnte ich die Eltern an den Schulleiter verweisen. Gemäss Schulleiter hatten Verwandte dieser Familie negative Erfahrungen mit der Schule gemacht, weshalb ich davon ausgehe, dass die Grundhaltung der Familie gegenüber der Schule negativ ist. Ich bin deshalb skeptisch, ob dies der richtige Weg ist. Ich habe Bedenken, dass sich die Fronten dann verhärten und sich dies auf die Beziehung zum Jungen negativ auswirken könnte.

Die Eltern sind gegen die Unterstützung. Von meinem Team erhalte ich unterschiedliche Botschaften, etwas salopp formuliert:
- Der Junge braucht klar Förderstufe A und die Eltern können eigentlich nicht frei entscheiden. Du solltest sie unbedingt davon überzeugen und ansonsten zum Schulleiter verweisen.
- Du kannst ihren Entscheid akzeptieren und zusätzlich einen Brief senden. Darin kannst du dann betonen, dass es ihre Verantwortung ist, ob das Kind unterstützt wird und somit einen positiven Start in die erste Klasse hat.
- Nachfragen, was die Familie privat dazu beiträgt, dass der Junge ein adäquates Verhalten lernt (bsp. mit Judo Besuch oder ähnliches).

Ich weiss nicht recht, wie ich handeln soll. Haben Sie vielleicht eine gute Anregung?
Herzliche Grüsse
 
Verfasst am: 23. 11. 2018 [07:29]
 
Beiträge: 20
Liebe Uniuni

Vielen Dank für Ihre Frage. Sie schildern eine komplexe und sehr anspruchsvolle Situation und haben auch schon einige Ansätze ausprobiert. Der nächste Schritt wäre eigentlich eine Begleitung durch die Heilpädagogin oder/und ein Beratungsgespräch der Eltern mit dem Schulpsychologen.

Ich kann Ihren Wunsch, das Vertrauen der Eltern in den Kindergarten zu erhalten, gut nachvollziehen und verstehe, dass sie von einer Forcierung dieses Weges noch absehen möchten.

Vielleicht können Sie folgendes ausprobieren: Sie nehmen die Hilfe des Kindes in Anspruch, indem Sie ihm kleine Beobachtungsaufträge im Kreis und im Freispiel geben. Beispielsweise: Sie als Kindergartenlehrperson haben so viel zu tun, dass Sie nicht immer alles sehen können, was die Kinder tun -- Sie möchten aber wissen, welche Kinder besonders ruhig sind im Kreis und auch immer die Hand aufstrecken, wenn sie sich melden. Oder möglicherweise gibt es einzelne Kinder, von denen Sie wissen möchten, was sie tun oder denken im Kreis, oder welche, die ihre Hausschuhe falsch an den Füssen haben, oder... Sie können die Aufträge so fassen, dass Sehen und Hören abwechselnd gefordert sind.

Das Kind sollte Ihnen periodisch "Bericht erstatten" können -- vielleicht müsste es auch eine kleine Geheimdienstsache sein, also eine geflüsterte oder gezeichnete Berichterstattung.
Im Freispiel könnte der Auftrag so gefasst werden, dass Sie wissen möchten, wo was gespielt wird. Auch das könnte durch ein Rollenspiel verstärkt werden -- vielleicht mit einem Notizbuch und einem Kittel.

Diese Massnahme könnte möglicherweise das Distanzverhalten des Kindes etwas unterstützen.

Eine weitere Möglichkeit: Thematisieren Sie mit der ganzen Klasse Gefühle und Befindlichkeiten. Dabei sollte auch Ermüdung und wie wir auf Müdigkeit reagieren, zur Sprache kommen. Das kann in einem Klassengespräch, anhand einer Geschichte oder mit einem Tischtheater geschehen.So würde das Kind die Möglichkeit erhalten, seine Befindlichkeit zu erkennen und diese auch als "normal" einzuordnen.

Das Tischtheater kann auch eine gute Form sein, Situationen nachzuspielen und so dem Kind das eigene Verhalten zu spiegeln. Störende Kinder reagieren manchmal erstaunlich gut, wenn sie merken, dass die anderen Kinder das nicht mögen. Eine Tischtheatersituation kann dies auf eine unbedrohliche Art etablieren: Sie spielen mit kleinen Figuren eine Situation in der eine der Figuren stört. Die anderen Figuren zeigen, worin sie gestört werden -- sie können nicht hören, was gesagt wird, sie können sich nciht konzentrieren und überhaupt, es nervt!
Sie können diese gespielte Situation dann mit den Kindern diskutieren und reflektieren.

Es ist sicher auch hilfreich zu wissen, in welchen Situationen das Kind entspannt und ruhig wirkt.
Als Lehrperson möchte ich zudem wissen, wie sich das Kind in Rollen- und Fantasiespielsituationen verhält.

Ich hoffe, meine Anregungen bringen Sie weiter und würde mich freuen, wieder von Ihnen zu lesen.

Mit freundlichen Grüssen
Manaso












 
Verfasst am: 01. 12. 2018 [09:16]
 
Themenersteller/-in
Beiträge: 4
Liebe/r Manaso

Vielen Dank für deine Anregungen!

Im Unterricht habe ich neue Regelbilder eingeführt. Auf den Bildern ist beispielsweise ein Smiley zu sehen, dass "psst" macht. Den Kindern gefällt das Bild und sie möchten es gerne auch hochhalten dürfen. Wir haben nun gemeinsam vereinbart, dass ich jeweils bestimme wann und wer das Bild hochhalten darf. Einerseits können die Kinder lernen Verantwortung für das Klassenklima zu übernehmen und dabei auch in die Rolle der Person schlüpfen, die Ruhe verlangt. Andererseits entlastet es auch mich als Lehrperson. Die Beobachtungsaufträge als Inputs finde ich bereichernd und möchte ich bei Gelegenheit noch ausprobieren.

Zudem habe ich mich entschieden, ein weiteres Elterngespräch zu führen. Dabei möchte ich mich nach möglichen Gründen/Ursachen der Widerstände erkundigen und ggf. aufklären. Danach wäre es mein Ziel, die Eltern ins Boot zu holen und gemeinsam nach Massnahmen zu suchen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass beispielsweise Judo oder Karate dem Jungen gut tun könnten. Allenfalls könnten sich die Eltern so etwas auch vorstellen.

Freundliche Grüsse
uniuni
 
Verfasst am: 02. 12. 2018 [11:41]
 
Beiträge: 20
Liebe Uniuni

danke für deine Antwort.
Ich wünsche dir, dem Jungen und der Gruppe viel Erfolg mit diesem Ansatz.

Auch die weiteren Absichten, die du verfolgst, stimmen mit deinen Überzeugungen und dem Ziel, Vertrauen zu bilden, überein.

Alles Gute und freundliche Grüsse

Manaso